second mate
29.05.2010, 19:37
Henning Thalund
Vestpå og sydover....Westward and Southwards
Sydfynske Sejlskibe i farten på Atlanten, Forlaget Isager, Svendborg o. Jahr [Etwa 2009],
55 Seiten, DEK 190.-, www.isagerbogtryk.dk (Bildkommentare in dänisch und englisch)
Wer an Überseeverkehr mit Segelschiffen denkt, hat zumeist mittlere und große Drei- und Viermastbarken im Auge. Dabei haben durchaus auch kleinere Fahrzeuge große Reisen gemacht. In Dänemark waren es zum Beipiel die Apenrader Reeder, die ihre Schiffe bis nach China schickten. Henning Thalund widmet sich in vorliegendem Band den Schonern aus Südfünen, die Ende des 19. Jahrhunderts und bis in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg auf transatlantische Fahrt gingen. „Vestpå“, also westwärts, segelte man dabei vorwiegend zu den Hafenplätzen nach Neufundland, um dort Klippfisch zu holen. Einer der letzten Zeugen dieser Route ist der 1914 in Marstal gebaute Schoner BONAVISTA, der zur Zeit in Marstal aufwendig restauriert wird, ein Unterfangen, von dem zweifellos wichtige Impulse zur Erforschung der südfünischen Langfarten der 19. und 20. Jahrhunderts ausgehen werden. Besagter Klippfisch, der aus Kabeljau von den Neufundlandbänken gewonnen wurde, wurde vor allem in Spanien und Portugal von der weniger kaufkräftigen Kundschaft verlangt. Die Ausreise - zumeist in Ballast - gegen die vorherrschenden Westwinde dauerte in der Regel 40-45 Tage, die Rückreise war in 20-21 Tagen zu schaffen. Ein weiterer Erwerbszweig war die Holzfahrt zwischen Kanada und England.
„Sydover“, also nach Süden zu, fuhr man im wesentlichen zum Rio Grande, häufig mit Salz von Europa und mit Häuten und Horn als Rückfracht. Eine solche Rückfracht zu bekommen war nicht immer leicht. So berichtete Karl Lorentsen, der spätere Bauherr von HAVET (heute SEUTE DEERN), daß er zu Beginn des Jahrhunderts mit einem Marstaller Schiff drei Monate in Rio gelegen hat, zusammen mit einer großen Anzahl anderer frachtsuchender Schiffe aus Dänemark. Ein anderes Ziel in südlichen Gewässern war Westinidien, wo Dänemark auch eine bescheidene Kolonistaion betrieb. Ab den frühen 1920er Jahren erfuhr die transatlantische Segelschiffahrt der dänischen Provinzhäfen einen raschen Rückgang und stellte in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre schon eine Ausnahme dar.
Die hier abgebildeten Schiffe sind zumeist Bramsegelschoner und Schonerbarken in der Größenordnung von etwa 200 BRT und darüber. Seltener waren reine Schoner und Schonerbriggs. Ein Beispiel für die kleineren Einheiten ist der 1911 in Marstal gebaute Schoner R.FABRICIUS mit gerade einmal 75 BRT. Die Fahrzeuge stammten von Werften auf Thurø, in Svendborg, Faaborg und Marstal, darunter auch außergewöhnlich gelungene Entwürfe wie die Schonerbrigg JOHN THOMSEN, 1878 bei Ring Andersen gebaut. Leider ging dieses Schiff schon fünf Jahre später in südamerikanischen Gewässern verloren. Überhaupt war die Schiffahrt des Betrachtungszeitraums ein gefährliches Geschäft. Sehr viele der hier vorgestellten Einheiten gingen durch Strandung verloren, nicht wenige verschwanden spurlos. Ein Kuriosum berichtet Thalund vom Dreimast-Marssegelschoner HANS aus Marstal. Als das Schiff am Rio Grande gestrandet war, ritten Gauchos in die Brandung und holten sechs der Besatzungsmitglieder mit ihren Lassos an Land.
Der Band im großen Querformat gibt die historischen Fotodokumente aus dem Museum für Svendborg und Umgebung in optimaler Reproduktion wieder. Die Bildunterschriften sind in dänisch und englisch gehalten, so daß das Buch von einer breiten Leserschaft problemlos benutzt werden kann.
© Wolfgang Bühling
Vestpå og sydover....Westward and Southwards
Sydfynske Sejlskibe i farten på Atlanten, Forlaget Isager, Svendborg o. Jahr [Etwa 2009],
55 Seiten, DEK 190.-, www.isagerbogtryk.dk (Bildkommentare in dänisch und englisch)
Wer an Überseeverkehr mit Segelschiffen denkt, hat zumeist mittlere und große Drei- und Viermastbarken im Auge. Dabei haben durchaus auch kleinere Fahrzeuge große Reisen gemacht. In Dänemark waren es zum Beipiel die Apenrader Reeder, die ihre Schiffe bis nach China schickten. Henning Thalund widmet sich in vorliegendem Band den Schonern aus Südfünen, die Ende des 19. Jahrhunderts und bis in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg auf transatlantische Fahrt gingen. „Vestpå“, also westwärts, segelte man dabei vorwiegend zu den Hafenplätzen nach Neufundland, um dort Klippfisch zu holen. Einer der letzten Zeugen dieser Route ist der 1914 in Marstal gebaute Schoner BONAVISTA, der zur Zeit in Marstal aufwendig restauriert wird, ein Unterfangen, von dem zweifellos wichtige Impulse zur Erforschung der südfünischen Langfarten der 19. und 20. Jahrhunderts ausgehen werden. Besagter Klippfisch, der aus Kabeljau von den Neufundlandbänken gewonnen wurde, wurde vor allem in Spanien und Portugal von der weniger kaufkräftigen Kundschaft verlangt. Die Ausreise - zumeist in Ballast - gegen die vorherrschenden Westwinde dauerte in der Regel 40-45 Tage, die Rückreise war in 20-21 Tagen zu schaffen. Ein weiterer Erwerbszweig war die Holzfahrt zwischen Kanada und England.
„Sydover“, also nach Süden zu, fuhr man im wesentlichen zum Rio Grande, häufig mit Salz von Europa und mit Häuten und Horn als Rückfracht. Eine solche Rückfracht zu bekommen war nicht immer leicht. So berichtete Karl Lorentsen, der spätere Bauherr von HAVET (heute SEUTE DEERN), daß er zu Beginn des Jahrhunderts mit einem Marstaller Schiff drei Monate in Rio gelegen hat, zusammen mit einer großen Anzahl anderer frachtsuchender Schiffe aus Dänemark. Ein anderes Ziel in südlichen Gewässern war Westinidien, wo Dänemark auch eine bescheidene Kolonistaion betrieb. Ab den frühen 1920er Jahren erfuhr die transatlantische Segelschiffahrt der dänischen Provinzhäfen einen raschen Rückgang und stellte in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre schon eine Ausnahme dar.
Die hier abgebildeten Schiffe sind zumeist Bramsegelschoner und Schonerbarken in der Größenordnung von etwa 200 BRT und darüber. Seltener waren reine Schoner und Schonerbriggs. Ein Beispiel für die kleineren Einheiten ist der 1911 in Marstal gebaute Schoner R.FABRICIUS mit gerade einmal 75 BRT. Die Fahrzeuge stammten von Werften auf Thurø, in Svendborg, Faaborg und Marstal, darunter auch außergewöhnlich gelungene Entwürfe wie die Schonerbrigg JOHN THOMSEN, 1878 bei Ring Andersen gebaut. Leider ging dieses Schiff schon fünf Jahre später in südamerikanischen Gewässern verloren. Überhaupt war die Schiffahrt des Betrachtungszeitraums ein gefährliches Geschäft. Sehr viele der hier vorgestellten Einheiten gingen durch Strandung verloren, nicht wenige verschwanden spurlos. Ein Kuriosum berichtet Thalund vom Dreimast-Marssegelschoner HANS aus Marstal. Als das Schiff am Rio Grande gestrandet war, ritten Gauchos in die Brandung und holten sechs der Besatzungsmitglieder mit ihren Lassos an Land.
Der Band im großen Querformat gibt die historischen Fotodokumente aus dem Museum für Svendborg und Umgebung in optimaler Reproduktion wieder. Die Bildunterschriften sind in dänisch und englisch gehalten, so daß das Buch von einer breiten Leserschaft problemlos benutzt werden kann.
© Wolfgang Bühling